Montag, 19. Mai 2014

Plan

Demnächst... 
Deerhoof
Plattencover Kaputtinterpretiert #4 wird voraussichtlich morgen erscheinen...

Plan:


  • Mindestens jeden Dienstag eine Ausgabe Plattencover Kaputtinterpretiert.
  • Ansonsten außer am Wochenende ebenfalls Ausgaben möglich.
  • Reviews in nicht ganz weiter Aussicht; Musik-Tagebuch ebenso.
Mindestens bis #7 (#5 wird eventuell ebenfalls noch diese Woche erscheinen!) keine Info-Posts mehr! Ich hoffe, dass das alles mal übersichtlicher ist durch meine ungewohnte Nüchternheit.









Freitag, 16. Mai 2014

#3 Curve - Doppelgänger

Mein böser Zwilling meinte letztens zu mir, ich solle doch mal ein Cover interpretieren, dessen zugehörige Platte ich gar nicht zu Hause habe. Das konnte ich allerdings keineswegs mit meinem Gewissen vereinbaren. Aber noch bevor ich die Kurve kratzen konnte, lag mein Gewissen schon am Boden; der Täter konnte jedoch unerkannt fliehen. Jetzt musste ich mir selbst und meinem bösen Zwilling zugestehen, dass ich seiner Forderung leider nichts mehr entgegen zu setzten hatte. Und weil mein Zwillingsbruder mich so sehr inspiriert hat und er gewissermaßen mein Doppelgänger ist, hab ich mir  heute mal das Artwork zu Curve´s passend dazu betiteltem Debüt Doppelgänger genau angeschaut.

Curve weiß mit diesem Cover zwei Welten zu verbinden. Einerseits schmiss man hier alle Plastikpuppen, die man aus sämtlichen verstaubten Kellern im Umkreis retten konnte, zusammen und vermengte diese andererseits mit einer guten Portion Tomatensoße, die man sicher zwischen den Funden unterwegs auf der Straße auch noch irgendwann kochen konnte. So bereitete Curve eine Suppe aus Tomatenaroma und Babypuppen, die zum Teil fein säuberlich in ihre Einzelteile zerlegt wurden, zu. Dann schoss man auch noch ein Foto davon und fand es offenbar übertrieben witzig den ganzen Kram dann als Cover für einen Debütanten namens Doppelgänger zu missbrauchen. Wer die ganze Suppe dann allerdings auslöffeln musste, bleibt deiner Fantasie überlassen.

Interpretationsversuch

In Zusammenhang mit dem griffigen Titel der Platte kann Tomatensoße mit Plastikfiguren mehr interpretativen Wert haben als man vielleicht annehmen möchte. Wenn man sich mal in seinem Umfeld umsieht, sieht man dieser Tage größtenteils nur noch Kopien anderer. Individualitäten werden über Bord geworfen, weil zu schwer. Wer kann mit soviel Gewicht schon auf den Zug ins Schlaraffenland aufspringen?
Doppelt hält besser

Zwangsläufig sind diese Züge so voller Doppelgänger. Im metaphorischen Sinne könnte man von Massenabfertigung sprechen. Und eine brutal geschlagene Brücke später, fällt auf wie gut das doch auch auf industriell gefertigte, von Plastikpuppen bewohnte Zauberwelten zutrifft. Die drastische Wirkung wird jedoch vor allem durch die verstörende Tatsache erzielt, dass die Plastikpuppen auf dem Cover bis ins Kleinste verstümmelt sind. Da schwimmen kleine Plastikfüße fröhlich neben Rückenmuskulatur und halslosen Köpfen Hand in Hand durch eine breiige Alternativdimension.

Das ganze wird zu allem Überfluss auch noch von Tomatensoße, die sich einfach als Farbfilter raus gestellt hat, - irgendwann muss man die Illusion halt auch mal aufdecken - begleitet, was man auch getrost als Blut deuten kann. Immerhin wird so im bildlichen Sinne impliziert, dass wir alle, oder in dem Fall unsere stellvertretenden, verstümmelten Plastikfreunde, bei solch einem hohen Individualitätsverlust, in unserem eigenen, symbolischen Blut untergehen werden, weil wir zu uns selbst nicht mehr ehrlich sind. Und das sollte eigentlich verdammt wichtig sein!

Eine vielleicht etwas extreme Interpretationsvariante. Aber sollte diese Richtung genauso beim Design bedacht worden sein, würde mir das aufgrund hoher Aussagekraft sehr gut gefallen - aber was denkst du zum Cover?
Mein böser Zwilling ist jetzt übrigens hoch zufrieden mit mir, abgesehen davon, dass ich ihn als meinen Doppelgänger bezeichnet habe. Pikiert wirft er mir Schizophrenie und Wahnvorstellungen vor. Doch damit kann ich leben, die Kunst fordert eben ihre Opfer.

Trackliste 1992

  1 Already Yours
  2 Horror Heads
  3 Wish You Dead
  4 Doppelgänger
  5 Lillies Dying
  6 Ice That Melts The Tips
  7 Split Into Fractions
  8 Think And Act
  9 Falt Accompii
10 Sandpit
11 Clipped (nur in den USA)

Mittwoch, 14. Mai 2014

Das wahre Wesen von Plattencover Kaputtinterpretiert

Das hier ist Plattencover Kaputtinterpretiert! Und was das genau heißt, wirst du nun zu spüren bekommen. Hier werden erst ganz tolle Versprechungen gemacht und dann nach ewiger Funkstille auf den Haufen geworfen und angezündet. Außerdem wird deine Meinung dazu auf den Haufen geworfen und angezündet. Und zusätzlich nehm ich auch noch deinen Hund mit ins Boot, was dann auch auf den Haufen geworfen und angezündet wird!

Nein, mal im Ernst. Und jetzt in konkret und sinnvoll: Meine Idee vom Musik-Tagebuch wird erstmal storniert. Das liegt nicht etwa an meiner Faulheit; eher bin ich vorerst mit meiner Serie "Plattencover Kaputtinterpretiert" ausgelastet. (Obwohl diese bisher nur 2 Texte und einen Versuch enthält, aber ganz so schnell funktioniert das halt alleine nicht!) Ich hoffe ich stoße dir damit nicht sauer auf, und wenn doch, kannst du mich immer noch auf den Haufen werfen und anzünden!

Als "Entschädigung" werd ich mich zukünftig bemühen, öfter mal ein Plattencover zu interpretieren; außerdem sind eventuell Song-, Album-, oder Bandreviews in Aussicht. Aber bevor du jetzt zurecht meinst, das kommt eh niemals zu Stande, distanziere ich mich zumindest ein Stück von dieser Aussicht! Aber Ideen, die ich hier bereits angesprochen habe, gehen auch so schnell nicht mehr verloren - das gilt auch für mein Musik-Tagebuch. Im Endeffekt, kommt die Zeit mit dem Rad bald vorbei. Und dann wird sich alles ganz lustig klären und in grünen Rauch auflösen. :)

Prost! ♥

Dienstag, 13. Mai 2014

#2 Mudhoney - Piece Of Cake

22 Jahre alter Kuchen

Alles wird teurer! Mir zuletzt aufgefallen, als ich dieses Stück Kuchen mit dem Titel Piece Of Cake - ja, dieses Gebäck hat einen Titel! - von der Bäckerei Mudhoney erworben habe. Fast 10 Euro hat mich das gute Teil gekostet. Aber vermutlich bezahlt man hier eben auch die Verpackung mit. Denn diese eigenbrötlerischen Bäcker halten es offensichtlich für nötig, ihre Kuchenstückchen in ein teures, jedoch überaus künstlerisch gestaltetes Artwork zu hüllen.

Und was sehen wir dort? Natürlich das, was man erwartet. Schließlich sind Spiegel, Waschbecken und Glühbirnen von moderner Kuchenvermarktung nicht mehr wegzudenken. Dazu gesellen sich dann noch zwei Männer in weiß, die in Rückansicht den Artikel selbst - zumindest dessen zeichnerisches Abbild - beschatten. Außerdem ist eine sehr hohe Energieverschwendung bei einer doch eher spärlichen Einrichtung auszumachen. Da tropft der Wasserhahn und die Glühbirne brennt trotz angenehm-orangen Lichtverhältnissen. Dabei vegetiert der Lichtschalter doch in so gut erreichbarer Höhe vor sich hin. Aber die Herren müssen ja wie bei einem Sehtest konzentriert die Süßware mit ihren Blicken festnageln. Fairer Weise muss man hier zumindest zugestehen, dass dieses Kuchenstück auch wirklich sehr sehenswert ist. Und wenn wir schon dabei sind, können wir die unglaubliche Attraktivität von trainierten Augen natürlich nicht außer acht lassen. So ein Stück Kuchen beobachtet sich zudem auch nicht von alleine!
Sandiger Kuchen*


Interpretationsversuch

Der scharfkantige Schriftzug Mudhoney deutet es schon an: Hier haben wir es mit aggressiven Backmethoden zu tun. Der rohe und skizzenhafte Charakter der Zeichnung nährt meine Ausführungen. Der Zeichner bedachte wohl auch den chaotischen Charme, den die Bäckerstube versprüht und stellte ihn so in Form von ausgewählten Möbelstücken innerhalb eines kargen Raums dar. Dieser erinnert dadurch ein wenig an eine Gefängniszelle.
Getarnter Kuchen*

Zwei Vertreter des Gesundheitsamtes sind im Bild dargestellt, wie sie die gesamte Produktpalette der Bäcker genaustens unter die Lupe nehmen. Das verdächtige Kuchenstück wird regelrecht verhört. Diese Szene wird gegenüber dem belanglosen Rest des Zimmers durch ein ausgefülltes, grünes Rechteck konterkariert und in den Fokus gestellt. Der Außenteil bereitet sozusagen mit einer grellen Kombination aus rot und orange eine rasante Fahrt gegen die Wand vor, welche aber vom grünen Teil, der Kuchen und Männer mit Hut beinhaltet, wenige Zentimeter vor der Wand abgebremst wird.


Toxischer Kuchen*
All das deutet darauf hin, dass der Zeichner - der das Teil eigentlich nur gemalt hat, um auch ein Stück vom Kuchenstück ab zu bekommen - die Gesundheitsbeauftragten in ein positives und vor allem grünes Licht rücken wollte. Jedoch nur um die Frage aufzuwerfen, ob man diese Menschen im Alltag nicht bereits zu sehr in solche Lichter stellt. Du siehst schon, der Verantwortliche wendet hier geschickt und nur dezent umgekehrte Psychologie an. Diese sehr unterschwellige Frage versteckt sich so vor den meisten Betrachtern . Wenn der Zeichner also eines gebacken bekommen hat, dann,  den Teufel ins Detail zu stecken. Und da kommt er vorerst nicht wieder raus. Übrigens sehr interessant zu bemerken, dass das titelgebende Kuchenstück wieder in das äußere Farbschema hineinpasst und sich so wiederum von weiß-grün abgrenzt.

Natürlich ist diese Interpretation total an den Haaren herbeigezogen, aber genau darum geht es ja beim Interpretieren, oder? Ansonsten handelt es sich hier meiner Meinung nach um ein gewöhnungsbedürftiges Artwork. Wenn es seinen Charme jedoch entfaltet, kann so Mancher bestimmt seinen Spaß daran entwickeln. Aber was denkst du?

*Bilder von Kuchen dem zähen Textteig lediglich zur Auflockerung beigegeben.

Originale Zutatenliste (1992)

  1g (Geheime Zutat)
  2g No End in Sight
  3g Make It Now
  4g When In Rome
  5g (Geheime Zutat)
  6g Suck You Dry
  7g Blinding Sun
  8g Thirteenth Floor Opening
  9g Youth Body Expression Explosion
10g I´m Spun
11g (Geheime Zutat)
12g Take Me There
13g Living Wreck
14g Let Me Let You Down
15g (Geheime Zutat)
16g Ritzville
17g Acetone

Freitag, 9. Mai 2014

Mein erstes, kleines Internet-Tagebuch

Damit die Seite hier mal ordentlich gefüllt wird, habe ich mir was ganz super originelles ausgedacht. Zwar habe ich noch nie ein Tagebuch geführt, aber vielleicht wirst du Zeitzeuge wie ich meine ersten Gehversuche in diesem "Genre" unternehme. (Ich gebs zu, ich bin einfach nur mitteilungsbedürftig und habe keine Freunde!) Das Ganze wird dann wohl passenderweise ein Musik-Tagebuch. Darin enthalten sind die positiven, sowie negativen Berührungen mit Musik in allen Formen und Farben der letzten Tage. Um das alles ein wenig nachverfolgen zu können, arbeitet mein Konzept voraussichtlich eng mit meiner Last.fm-Seite zusammen. Da kann man dann ganz toll gucken, welche Musik ich wann gehört habe - Ist das nicht ein Traum?

Meine Idee hat sogar ein eigenes "Cover"!!



Wie das schlussendlich konkret aussieht, sehen wir dann nach dem Wochenende. Früher komme ich wohl nicht dazu. Wer sich jedoch geduldet und seine Selbstmordversuche - verursacht durch zu geringe Wartetoleranz und unaufhaltsame Vorfreude - bis dahin unterlässt, kriegt neben einem neuen Format ganz höchstpersönlich ein Stück Kuchen von mir - kein Scherz!

Achja, und beide Formate (Tagebuch und Plattencover) werden jetzt öfter mal einen Post abwerfen. Starte Metapher Modus. Wie ein Baum seine Früchte. Nur, dass sie in meinem Fall schon hässlich und faul geworden sind, und das bevor sie überhaupt reif waren. Metapher-Modus Ende. (Wird ja auch mal Zeit!)

Dienstag, 6. Mai 2014

#1 Lagwagon - Duh

Endlich vor die Glotze

Wer kennt das nicht? Man betritt nach einem anstrengenden Tag sein kotzgrün angestrichenes Zimmer mit violettem Graffiti an der Wand und setzt sich auf sein ebenfalls violettes Sofa. Man will jetzt einfach seine Ruhe haben und döst vor dem TV. Zumindest der Typ vom Lagwagon-Debüt Duh scheint bestens informiert zu sein, was ich damit meine. Aus lauter Frohsinn starrt unser Comiclook-Held nun auf den implizierten Fernsehbildschirm am unteren Rand des Covers. Wunderbar, jetzt kann die Party ja losgehen. Ganz hypnotisiert von der für den Betrachter nicht zu sehenden Action auf dem Bildschirm, macht sich der Protagonist erst mal eine Dosencola auf. Davon kann er sich zwar nicht besaufen, aber er ist ohnehin schon blau genug, sagt zumindest sein Hautarzt. Das kommt sicher vom Alltagsstress. Aber spätestens wenn das himmelblaue Stresssymptom selbst auf die Kleider und die Haare (und sogar auf die Dose, die ich in der Hand halte) abfärbt, würde ich mir dann doch Gedanken um meinen Gemütszustand machen.


Zur Verdeutlichung: links: Ungesund; rechts: Gesund
Ansonsten ist die farbenfrohe Zimmerlandschaft der blauen Menschengestalt eindeutig sehr leer. Da stimmt weder das Feng-Shui, noch macht die tröstende und haltgebende Zierpflanze, die von der Fensterbank runter zufallen droht, von sich reden. Trotz kräftiger, warmer Farben, wie hellblau, violett und giftgrün wirkt es hier sehr ungesund. Dem Alltag ist der junge Mann zwar entkommen, dafür schlägt er nun Zeit in einem unangenehmen Kontrast zwischen grässlich-grellen Tapeten und hässlich-kranken Violetttönen tot. Zumindest sind die Augen starr auf das Programm gerichtet, so kann man dem knalligen Umfeld wenigstens entgehen. Das Zielscheiben-Prinzip funktioniert offensichtlich und die Augen sind schon so angestrengt, dass sie in Spiralen vom Gesicht schwimmen wollen. Genau so sieht ein gelungener Fernsehabend aus.


Interpretationsversuch

Lagwagon, die sich selbst nach ihrem Tourbus benannten - den sie wiederum ebenfalls selbst benannt haben - wollen mit diesem Motiv auf ihrer Außenhülle wohl etwas ansagen. So wird auf dem Cover erzählt, wie krank und künstlich ein Leben auch innerhalb der eigenen vier Wände sein kann. Alles ist unecht, die Farben muten krank und eklig an, auch der mittige Charakter ist passend dazu gezeichnet, nicht nur vom Zeichner, sondern auch vom Leben. Sein blaues Äußeres wirkt depressiv. Als letzte Anlaufstelle, um Stress zu entsorgen, befindet sich lediglich eine Fernsehstation in Reichweite. Sie besitzt als einziges Objekt im Bild eine realitätsnahe Färbung,  was die Darstellung als letzte Rettung vorm öffentlichen Leben für eine verwirrte, und vom Alltag gequälten Seele noch unterstreicht. Gerade wegen Aussage (die ich frei hier rein interpretiert habe), Farbdarstellung und nicht zuletzt dem Comiclook, der gekonnt das Surreale untermauert, ein wunderbares Cover. Ganz zu schweigen vom Graffiti oberhalb. Definitiv eines der schöneren Bandlogos (auch innerhalb der Lagwagon-Laufbahn). Aber was denkst Duh?


Trackliste

(1992)

  1 Tragic Vision
  2 Foiled Again
  3 Bury The Hatchet
  4 Angry Days
  5 Noble End
  6 Child Inside
  7 Bad Moon Rising (Cover)
  8 Beer Goggles
  9 Inspector Gadget (Cover)
10 Parents Guide To Living
11 Mr. Coffee
12 Of Mind And Matter
13 Stop Whining
14 Lagwagon (All Aboard)





Unproduktivität Ist Zwecklos

Nach dieser gewaltigen Pause, hier ein Lebenszeichen:
Nicht, dass du denkst du hättest was verpasst; nein, ich bin einfach nur überaus faul und unproduktiv zur Zeit. Immerhin habe ich schon eine Idee für das nächste kaputt zu interpretierende Plattencover. Diesmal jedoch nicht so faktisch und langatmig. Hoffe, das steigert die Verdaulichkeit. Jetzt muss nur noch der Hunger kommen.

Hier mal ein Vorgeschmack auf Teil 2 meiner unproduktiven Interpretationsversuche: 
Lagwagon - Duh
Die Idee ist, eine möglichst große Fläche verschiedenster Musikgenre abzudecken. Also wundere dich nicht, wenn die hier vorgestellten Bands kein Stück zusammenpassen. Ich denke, dass die Fütterungszeiten (Intervalle zwischen den Posts) mit der Zeit auch kürzer werden.