Dienstag, 6. Mai 2014

#1 Lagwagon - Duh

Endlich vor die Glotze

Wer kennt das nicht? Man betritt nach einem anstrengenden Tag sein kotzgrün angestrichenes Zimmer mit violettem Graffiti an der Wand und setzt sich auf sein ebenfalls violettes Sofa. Man will jetzt einfach seine Ruhe haben und döst vor dem TV. Zumindest der Typ vom Lagwagon-Debüt Duh scheint bestens informiert zu sein, was ich damit meine. Aus lauter Frohsinn starrt unser Comiclook-Held nun auf den implizierten Fernsehbildschirm am unteren Rand des Covers. Wunderbar, jetzt kann die Party ja losgehen. Ganz hypnotisiert von der für den Betrachter nicht zu sehenden Action auf dem Bildschirm, macht sich der Protagonist erst mal eine Dosencola auf. Davon kann er sich zwar nicht besaufen, aber er ist ohnehin schon blau genug, sagt zumindest sein Hautarzt. Das kommt sicher vom Alltagsstress. Aber spätestens wenn das himmelblaue Stresssymptom selbst auf die Kleider und die Haare (und sogar auf die Dose, die ich in der Hand halte) abfärbt, würde ich mir dann doch Gedanken um meinen Gemütszustand machen.


Zur Verdeutlichung: links: Ungesund; rechts: Gesund
Ansonsten ist die farbenfrohe Zimmerlandschaft der blauen Menschengestalt eindeutig sehr leer. Da stimmt weder das Feng-Shui, noch macht die tröstende und haltgebende Zierpflanze, die von der Fensterbank runter zufallen droht, von sich reden. Trotz kräftiger, warmer Farben, wie hellblau, violett und giftgrün wirkt es hier sehr ungesund. Dem Alltag ist der junge Mann zwar entkommen, dafür schlägt er nun Zeit in einem unangenehmen Kontrast zwischen grässlich-grellen Tapeten und hässlich-kranken Violetttönen tot. Zumindest sind die Augen starr auf das Programm gerichtet, so kann man dem knalligen Umfeld wenigstens entgehen. Das Zielscheiben-Prinzip funktioniert offensichtlich und die Augen sind schon so angestrengt, dass sie in Spiralen vom Gesicht schwimmen wollen. Genau so sieht ein gelungener Fernsehabend aus.


Interpretationsversuch

Lagwagon, die sich selbst nach ihrem Tourbus benannten - den sie wiederum ebenfalls selbst benannt haben - wollen mit diesem Motiv auf ihrer Außenhülle wohl etwas ansagen. So wird auf dem Cover erzählt, wie krank und künstlich ein Leben auch innerhalb der eigenen vier Wände sein kann. Alles ist unecht, die Farben muten krank und eklig an, auch der mittige Charakter ist passend dazu gezeichnet, nicht nur vom Zeichner, sondern auch vom Leben. Sein blaues Äußeres wirkt depressiv. Als letzte Anlaufstelle, um Stress zu entsorgen, befindet sich lediglich eine Fernsehstation in Reichweite. Sie besitzt als einziges Objekt im Bild eine realitätsnahe Färbung,  was die Darstellung als letzte Rettung vorm öffentlichen Leben für eine verwirrte, und vom Alltag gequälten Seele noch unterstreicht. Gerade wegen Aussage (die ich frei hier rein interpretiert habe), Farbdarstellung und nicht zuletzt dem Comiclook, der gekonnt das Surreale untermauert, ein wunderbares Cover. Ganz zu schweigen vom Graffiti oberhalb. Definitiv eines der schöneren Bandlogos (auch innerhalb der Lagwagon-Laufbahn). Aber was denkst Duh?


Trackliste

(1992)

  1 Tragic Vision
  2 Foiled Again
  3 Bury The Hatchet
  4 Angry Days
  5 Noble End
  6 Child Inside
  7 Bad Moon Rising (Cover)
  8 Beer Goggles
  9 Inspector Gadget (Cover)
10 Parents Guide To Living
11 Mr. Coffee
12 Of Mind And Matter
13 Stop Whining
14 Lagwagon (All Aboard)





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